In der Welt des Jazz gibt es einige Stücke, die trotz ihrer scheinbaren Einfachheit eine tiefgehende Resonanz finden und die Herzen von Musikliebhabern weltweit berühren. Einer dieser Klassiker ist „Someday My Prince Will Come“. Ursprünglich ein Lied aus dem Disney-Film *Schneewittchen und die sieben Zwerge*, hat es sich im Laufe der Jahre zu einem unverzichtbaren Standard im Jazzrepertoire entwickelt.
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“Someday my prince will come":
Transkription des Videos
Du interessierst dich für Jazz Piano und würdest gerne möglichst auf die einfachste Art und Weise richtig in den Genuss von coolen Jazzklängen kommen, dann bist du hier genau richtig. Wenn du Jazz Piano systematisch von Grund auf lernen möchtest, findest du den passenden Einstieg in unserem Jazzpiano-Kurs.
Mein Name ist Sven Häfliger und ich bin der Gründer von Zapiano®.
Ich habe hier in diesem Tutorial den Jazz Standard „Someday My Prince Will Come" auf eine sehr einfache Art und Weise für dich arrangiert und wir gehen das Schritt für Schritt durch. Wichtig ist, dass du vorher hier unten noch das PDF herunterlädst und dann sehen wir uns gleich wieder. Ich gehe davon aus, du hast das Notenblatt jetzt ausgedruckt, hast es vor dir, die ersten acht Takte. Und bevor wir in die Tasten greifen, schauen wir uns zunächst ein bisschen so das Grobe an.
Worum geht es eigentlich mit diesem Stück? Also, wir haben zunächst einen Dreivierteltakt, einen Dreiviertel-Swing. Das ist eigentlich ziemlich unüblich im Jazz, aber aus meiner Sicht hört sich das super cool an. Also ich liebe ein Fast Dreiviertel, finde das super toll. Dann, wenn ich die Tonart anschaue, habe ich einen Bb drin. Wenn ich das jetzt auf der Klaviatur da anschaue, dann habe ich hier zwei Bs drin. Also ich habe den E, der wird dann zum Es und der B wird dann zum B♭.
Kleiner Hinweis: Ich benutze immer die internationale Ausdrucksweise. Darum spreche ich da von einem B♭. Also das ist das Tonmaterial, das darunterliegt. Und ich habe praktisch beim ganzen Standard habe ich da grundsätzlich immer diese Töne drin. Es gibt ein paar Töne, die noch ein bisschen anders sind, aber es sind nicht viele. Und wichtig ist einfach immer, wenn du dir ein Stück aneignest, du studierst das ein, ist wichtig, dass du das Tonmaterial kannst, das melodische Tonmaterial, wie auch das harmonische Tonmaterial. Und beim harmonischen Tonmaterial, da haben wir dann die sogenannten Stufenakkorde.
Im Jazz sind das dann mehrheitlich die Vierklänge. Und wenn ich hier bei jedem einzelnen Ton da einen Vierklang bilden würde, dann kriege ich zunächst den B♭maj7, Cm7, Dm7, Ebmaj7, F7, Gm7, Am7b5 und B♭maj7 wieder. Und bei diesem Stück habe ich auch noch ein paar andere Akkorde, die davor kommen. Die haben auch einen bestimmten Zusammenhang, die haben eine bestimmte Funktion, aber das wird den Rahmen jetzt sprengen in diesem Video. Dann würde ich sagen, wir greifen jetzt wirklich konkret in die Tasten.
Ich zeige das immer vorhin so, denn wenn du dieses harmonische, melodische Material unter den Fingern hast, dann wird es dir viel einfacher fallen, die Sachen dann sofort auch zu spielen oder auch – ein bisschen Ausblick für dich, wenn du später nur einen Lead Sheet vor dir hast – kannst du es sofort arrangieren. Du kannst es sofort spielen, auch nur im Lead Sheet. Das ist das, was die Jazzpianisten wirklich können und was die auch machen. Also dann würde ich sagen, wir schauen zunächst einmal nur die linke Hand an. Ich habe hier das so arrangiert, dass ich jeweils immer einen Grundton habe, dann die Septime oder den Grundton und die Terz.
Das ist die einfachst möglichste Art, wie man diese Akkorde arrangieren kann. Ich würde nie hingehen und da diese ganzen Akkorde in der Grundstellung spielen. Das ist zwar interessant, wenn ich das zunächst analysieren möchte und ich habe noch nicht so ein Gehör für Jazz, da gehe ich mal hin und Und dann sage ich: „Okay, wie hören sich diese Akkorde eigentlich an? „Ah, die würden sich da so anhören, so in dieser Art. Das sind die Vierklänge jetzt, aber im Gebrauch, im alltäglichen Jazz-Pianisten-Gebrauch, werde ich die Voicings niemals so in der Grundstellung spielen. Und so habe ich es jetzt ein bisschen anders arrangiert, also ich habe jetzt den Grundton und die Septime. Mit der anderen Hand werden wir dann noch einen zusätzlichen Ton hinzufügen und dann kriegen wir dann die coolen Jazz-Voicings.
Zuerst habe ich den Grundton Septime. Beim D7 habe ich nur Grundton Terz. Beim Eb, Maj7 habe ich auch, Grundton Terz. Dann habe ich den G7, Grundton Septime, kleine Septime natürlich. Dann habe ich den Cm7, Grundton, kleine Septime, Grundton Terz beim G7, dann habe ich Grundton kleine Septime beim C7 und beim F7 nochmals Grundton und Terz. Und So, wenn du das Notenblatt jetzt weglegst, dann solltest du in der Lage sein, – du kannst auch einen kleinen Hinweis noch machen: „Okay, hier habe ich 1-7 oder 1-3 als Intervallstruktur" – solltest du so hingehen können, auch ohne Noten, und das dann auch sofort so spielen können.
So, jetzt habe ich die ersten acht Takte einfach so gespielt. Ich habe jetzt nicht mehr auf das Notenmaterial geachtet, sondern nur noch auf die Akkordbezeichnungen oben. Und wenn ich jetzt noch einen weiteren Ton hinzufüge, dann kriege ich schon ein ziemlich cooles Jazz-Voicing. Beim B♭maj 7 haben wir den Grundton, große Septime und dann die Terz, die große Terz. Wunderschön. Und so haben wir einen B♭maj7. Und du fragst dich vermutlich: „Da fehlt doch noch ein Ton. Da fehlt doch noch der F. Denn bei der Grundstellung haben wir das hier.
Und dieser fehlt jetzt plötzlich. Und das ist deshalb so, weil im Jazz wird die Quinte als sehr langweiliges Intervall angesehen. Das lassen wir in der Regel immer weg, es sei denn, es ist alteriert, es ist ein Halbton vertieft oder ein Halbton erhöht. Aber so in dieser Art lasse ich das weg. Und das ist eigentlich dann schon die Definition eines B♭maj7. Dann, wenn ich weitergehe, habe ich den D7. Hier habe ich Grundton Terz und jetzt habe ich die kleine Septime hier. Auch hier dasselbe Prinzip, ich lasse die Quinte jetzt weg. Die Quinte hat auch eine sehr spezielle Funktion. Das sehen wir gleich miteinander.
Dann habe ich den Ebmaj7. Hier auch dasselbe, ich lasse die Quinte da weg. Und dann habe ich den G7. Noch ein kleiner Hinweis: Wenn du das Notenblatt anschaust, dann siehst du jeweils, dass die Notenhälse nach unten zeigen und zum Teil nach oben. Alles, was nach unten zeigt, bedeutet, das gehört zum harmonischen Gerüst und das spiele ich, falls möglich, auch ein bisschen leiser als die Melodie. Aber dann weißt du, okay, hey, das gehört wirklich zum harmonischen Gerüst. Ich habe es einfach auf beide Hände verteilt.
Dann haben wir den Cm7, dann haben wir den G7 und dann habe ich hier so eine chromatische Rückung. Jetzt geht es nach E und dann geht es nach F7 und habe ich hier den Eb. Und die chromatische Rückung hier ist einfach das, das, das. Und das ist so eine typische Dominantkette. G7 ist Dominante von C7, C7 ist Dominante von F7 und F7 ist Dominante dann von der ersten Stufe wieder von B♭maj7. Also wenn ich die letzten drei Takte nochmals anschauen, dann habe ich das hier:
So, wenn ich die ganzen acht Takte jetzt nochmals so spielen würde, dann kann sich das so anhören. Genau. Und jetzt geht es darum, dass du dir die Melodie vorstellst respektive singst dazu. Bevor wir die Melodie überhaupt spielen, hast du wirklich ein absolut akkurates Klangbild von der ganzen Sache. Also wenn ich … Und das ist auch ein bisschen tricky, denn wir befinden uns da hier im Jazz und da gibt es auch ein bisschen Spannungstöne drin, gerade bei den ersten vier Takten. Wenn ich das so habe, dann krieg ich das. Das ist ein bisschen zu hoch zu singen für mich… Genau. Also, ist ziemlich hoch.
Du kannst es auch pfeifen oder summen. Aber wenn du es schon mitsummen oder mitsingen kannst, dann hast du wirklich eine absolut korrekte Klangvorstellung von diesem Jazz-Standard. Wenn du eine Klangvorstellung hast, wenn du es gut im Gehör hast, dann wird sich das überall auswirken. Dann wird alles, was du spielst, viel mehr Gewicht haben.
Und auch später dann, wenn du das variierst, wie man das im Jazz macht, oder du improvisierst darüber, dann wird das nicht mehr irgendein so ein Rumgeklimper sein mit ein paar Licks und da so ein bisschen Tricks oder so, sondern dann wird das Ganze so eine Einheit sein, dass jeder, der da zuhört, sagt: „Mh, der weiß, was er tut, der hört das auch. Das ist in sich geschlossen und korrekt." Und deshalb ist es so wichtig, dass du dir auch früh, auch wenn du so ein einfaches Arrangement hast, ein Klangbild erarbeitest, wo du einfach weißt, nach Gehör, wie das Ganze funktioniert und wie es sich anhören soll. Okay, wenn das gut geht, dann kannst du das Ganze zusammenfügen und dann haben wir das:
Hier habe ich nun die #5 in der Melodie. Dann habe ich die #4 in der Melodie.
Oh, viel Spannung löst sich dann auf. Also, den ganzen Takt nochmals: Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei, Eins, Zwei, Drei. Dann die zweite Zeile. Nicht so schwierig hier. Dann habe ich wieder einen Spannungston. Hier habe ich eine #5 hier, dem Eb. Und dann habe ich den C7, hier mit der None. Das war vorhin ein bisschen schwierig zu singen hier.
Und hier, die letzten zwei Takte, sind ein bisschen schwierig zu greifen im Moment, wenn ich das so spiele. Hier habe ich dann mit dem Daumen die Septime, lasse ich liegen, und die Melodie geht so nach oben. Wichtig ist natürlich, dass ich hier unten kein Pedal habe, sonst würde sich das so vermischen, dass ich da, du, da, ba, und hier löst es sich dann auf. Okay, die ganzen acht Takte ganz langsam gespielt.
So. Und dann geht es dann weiter. Wenn du dir das Ganze Tutorial anschauen möchtest, dann kann ich dir den Kurs Jazz Standards auf Zapiano.com empfehlen. Ich bedanke mich fürs Zuschauen. Wenn es dir gefallen hat, dann sag es weiter oder schreib etwas in die Kommentare rein, falls noch eine Frage offen sein sollte zu dem, was ich dir jetzt gezeigt habe, kannst du auch das im Kommentar reinschreiben. Ich freue mich auf alles, was du hinterlässt.
“Someday My Prince Will Come": Die Ursprünge des Liedes

„Someday My Prince Will Come“ wurde 1937 für den Disney-Film geschrieben und von Frank Churchill komponiert, mit Texten von Larry Morey. Im Film singt Schneewittchen dieses Lied, während sie von einem besseren, märchenhaften Leben träumt, das durch die Ankunft ihres Prinzen verwirklicht werden soll. Die sanfte Melodie und die träumerischen Texte passen perfekt zur märchenhaften Atmosphäre des Films.
Doch der wahre Wandel des Liedes kam, als es in den Jazzbereich eintrat. Jazzmusiker entdeckten die romantische Melodie und die harmonische Struktur des Liedes und begannen, es zu interpretieren und weiterzuentwickeln.
Die Jazz-Version
Die Jazz-Interpretationen von „Someday My Prince Will Come“ begannen in den 1950er Jahren, als der Pianist Bill Evans dem Stück ihren eigenen Stempel aufdrückten. Besonders die Version von Miles Davis aus dem Jahr 1961, aufgenommen für sein Album *Someday My Prince Will Come*, wurde ikonisch. Davis’ Interpretation bringt eine subtile Melancholie und eine raffinierte Harmonie ins Spiel, die dem Lied eine ganz neue Dimension verleiht.
Bill Evans, der Pianist auf Davis’ Album, brachte seine eigene Sensibilität und seinen einzigartigen Stil ein. Sein Spiel unterstreicht die sanfte, träumerische Qualität des Liedes und verleiht ihm eine tiefere emotionale Resonanz. Evans’ Interpretation ist oft als die definitive Jazz-Version des Stücks angesehen und hat das Lied in der Jazzwelt etabliert.
Bill Evans gilt als ein Wegbereiter des Modern Jazz, sein Spiel beeinflusst bis zum heutigen Tag die neuste Generation von Jazz Pianisten.

Die Struktur und die Harmonie
Das Besondere an „Someday My Prince Will Come“ ist die harmonische Struktur des Liedes. Es ist in einem Standard-32-taktigen AABA-Form aufgebaut, die im Jazz sehr beliebt ist. Die A-Sektion des Liedes präsentiert die Hauptmelodie, während die B-Sektion – auch als Bridge bekannt – einen Kontrast bietet, bevor die A-Sektion zurückkehrt. Diese Struktur ermöglicht es den Interpreten, kreative Variationen und Improvisationen einzuführen, was das Lied zu einem idealen Vehikel für jazzige Interpretationen macht.
Das Stück ist im 3/4 Takt geschrieben, was eher ungewöhnlich ist. Es ist sozusagen ein Jazz Waltz. Dabei wird der Standard jeweils in einem hohen Tempo gespielt.
Die harmonischen Veränderungen und die Art, wie sie in der Bridge aufgebaut sind, bieten Raum für improvisatorische Freiheit. Dies erklärt, warum das Stück ein Favorit unter Jazzmusikern ist – es ermöglicht sowohl technische Finesse als auch emotionale Ausdruckskraft.
Die Bedeutung im Jazz
„Someday My Prince Will Come“ hat nicht nur seine Position als Jazz-Standard gefestigt, sondern auch einen Platz im Herzen vieler Musiker und Zuhörer gefunden. Die emotionale Tiefe und die musikalischen Möglichkeiten, die das Stück bietet, machen es zu einem faszinierenden Thema für Improvisationen und Interpretationen.
Das Lied steht für mehr als nur eine Geschichte aus einem Disney-Film; es symbolisiert den Übergang eines einfachen Melodiethemas in ein komplexes, tiefgründiges Jazzwerk. Es zeigt, wie Musik über Genres und Epochen hinweg resonieren kann und wie ein einfaches Lied zu einem Meisterwerk der Jazzmusik werden kann.
Fazit
„Someday My Prince Will Come“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Musik aus verschiedenen Genres verschmelzen kann, um etwas Neues und Aufregendes zu schaffen. Vom Disney-Film zur Jazz-Legende hat das Stück eine Reise hinter sich, die seine zeitlose Anziehungskraft unterstreicht. Es erinnert uns daran, dass selbst die einfachsten Melodien das Potenzial haben, große Kunstwerke zu werden, wenn sie mit Liebe und Kreativität behandelt werden.

Anfänger am Klavier? Dann schau hier rein
Wenn “Someday my prince will come" noch etwas zu schwierig für dich ist und du lieber mit einfacheren Klavierstücken anfangen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Einsteigerkurs Piano Starter 1. Hier lernen wir das ganzheitliche Klavierspiel von Grund auf Schritt für Schritt gemäß der Zapiano®Methode. Parallel zum Piano Starter 1 kannst du im Kurs Piano Starter 1 Songs einfache, aber sehr wohlklingende Klavierstücke spielen lernen.
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