Kein Taktgefühl? – diese 5 Dinge helfen sofort

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Transkript des Videos:

Herzlich willkommen zu diesem Video. Mein Name ist Sven Haefliger, ich bin der Gründer von Zapiano®. Es geht ums Klavierspielen, es geht nicht um Body Percussion, aber es geht um das Hauptproblem, das alle Erwachsenen mitbringen. Alle, die mir schreiben, meine Schüler, mich selber eingeschlossen, alle haben dasselbe Problem: Es ist die Rhythmik. Dieses Video soll dir helfen, das Thema ein bisschen einzuordnen und auch zu verstehen. Und ich gebe dir ein paar Übungen mit, damit du sicherer wirst am Klavier, wenn du Dinge übst.


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Du kannst dir das so vorstellen: Jede Art von moderner Musik hat eine Gleichmäßigkeit, die darunter liegt. Die ist nicht sichtbar, aber sie ist fühlbar. Ich spiele dir gleich etwas vor, und du probierst einfach nach Gefühl irgendwo mitzuklatschen. Wo würdest du mitklatschen, wenn ich dir sowas spiele?

So, das war eine Akkordfolge aus einem bekannten Jazz Standard. Ich habe jetzt einfach ein bisschen rumgespielt, aber etwas war vermutlich auffallend für dich. Wenn du das gehört hast, dann konntest du vermutlich sagen: Okay, da liegt irgendwie so eine Gleichmäßigkeit darunter, so ein leichtes Schunkeln. Und das ist die sogenannte Pulsation. Sie wird vielfach auch als Takt bezeichnet, aber ein Takt ist in der Regel eine Aufteilung, also ein Viervierteltakt, ein Dreivierteltakt, was auch immer. Wenn ich von der Pulsation spreche, dann meine ich einfach dieses Element, das immer durchläuft.

Und jetzt gilt: alles, was du übst, wirklich fast alles, solltest du in dieser Pulsation üben können. Ich sage dir ganz konkret warum. Wenn ich dieses Stück mit diesen Akkorden spielen möchte, ich habe da noch ein bisschen Bass dazu gespielt, und ich bin mir nicht sicher, wie die Akkorde funktionieren, dann hört sich das so an.

Aufpassen, das ist jetzt ein Beispiel, das sich nicht gut anhören wird. :)

Genau, das hast du sofort gemerkt. Wenn ich so spiele, löst das ein sehr unruhiges Gefühl aus, sobald man sich ein bisschen in die Musik reinfühlt, weil die Pulsation, dieses Gleichmäßige, verloren geht. Da konntest du nicht mehr gleichmäßig mitklatschen. Und jetzt im Gegensatz dazu, wenn ich etwas Ähnliches noch mal spiele, ganz einfach.

Das war die Pulsation. Und wenn ich sie jetzt unterteile, dann habe ich einen Viervierteltakt, der darunter liegt. So tief möchte ich hier gar nicht reingehen, es geht nur darum, dass du verstehst: Alles, was gleichmäßig ist oder was du gleichmäßig spielen kannst am Piano, das hört sich automatisch gut an. Und ich achte bei meinen Schülern darauf, dass sie immer so einfache Sachen von mir bekommen, dass sie die Dinge wirklich in der Pulsation spielen können. Denn alles, auch wenn es einfach ist, fühlt sich natürlich und gut an, wenn du es in der Pulsation spielst. Das kann zum Beispiel sowas sein, auch ein bekannter Standard.

Genau, und ich habe das jetzt so einfach gespielt, dass es wirklich auch für jemanden spielbar ist, der noch nicht so lange Klavier spielt. Aber du hast gemerkt: Das Gefühl, das da entsteht, ist sofort entspannend. Was die meisten aus meiner Sicht falsch machen: Sie probieren möglichst viel reinzupacken, so etwas in dieser Art.

Genau, das kann man machen, wenn man schon ein bisschen Kenntnis hat. Aber wenn ich so etwas zu spielen probiere und ich habe die Pulsation noch gar nicht, dann beginne ich so zu üben: Oh, der Ton war jetzt falsch, und dann geht es da los, und dann, ach so, und dann der Finger da hin. Das ist viel zu schwierig, wenn du die Kenntnisse noch nicht hast. Regel Nummer 1 ist deshalb ganz einfach: Spiel nur so schwierige oder eben so einfache Sachen, dass du in der Pulsation drinbleiben kannst.

Du kannst dir das auch wie ein Pendel vorstellen, das hin und her schwingt. Ein Dirigent macht ja eigentlich auch nichts anderes. Also er macht schon noch ein bisschen mehr, das ist klar. Aber die Musiker sollten die Pulsation spüren, sonst geht es nicht so gut. Und nur schon wenn ich das so mache, in dieser Art, merkst du: Ah okay, ja genau. Da kann ich mich richtig reinfühlen. Und so weiter und so fort.

Die Pulsation ist also das Wichtigste. Wenn du das für dich üben möchtest, dann hör dir möglichst viel Musik an. Und jetzt geht es um die Wahrnehmung. Hör dir Dinge an, die du schon kennst und die dir persönlich gefallen, und dann probierst du einfach mitzuklatschen. Ohne das groß mit dem Verstand einzuordnen, also das ist der Takt, das ist das Instrument und überhaupt, sondern du klatschst einfach mit. Vermutlich hörst du selber sowieso Musik, bei der du die Pulsation ganz einfach raushörst, denn nur dann geht sie mit dir in Resonanz. Ein einfaches Prinzip. Also klatsch einfach mit, das ist super wichtig.

Wenn du dann die Möglichkeit hast, dir das Notenmaterial von dem Stück zu besorgen, das dir gefällt, dann mach es dir so einfach wie möglich, wenn du es vor dir hast: Spiel zum Beispiel nur die Bassnote mit. Bei dem Song von vorhin, “Somewhere over the Rainbow", kann ich einfach nur 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4 spielen. Jetzt habe ich gleichzeitig noch mitgezählt, ich weiß ja, dass es im Viervierteltakt steht. Aber wenn du wirklich nur die Bassnote mitspielst und sonst gar nichts, dann kommst du automatisch in diese Pulsation rein. Und auch wenn es super einfach aussieht, passiert im Hintergrund schon ganz viel.

Denn du musst wissen, wo die Töne sind. Am besten kennst du mit der Zeit die Form eines Stücks auswendig, du weißt, wie die Akkordfolge funktioniert, und spielst im Moment trotzdem nur die Bassnote. Nur das, das genügt eigentlich. Und dann kommst du rein in diesen Fluss, diesen Spielfluss. Deine Übesession ist dann auch nicht mehr geprägt von: Oh, ich kann es nicht, das sieht viel zu schwierig aus, das hört sich furchtbar an, dieses Geklimper. Das ist dann weg. Du bist in diesem Fluss drin, und das ist super wichtig.

Okay, dann ein ganz anderes Konzept, das ich dir auch noch zeigen möchte. Du gehst ans Piano und stellst dir wieder dieses Pendel vor, in dieser Art, und dann spielst du eigentlich nur zwei Töne. Du kannst diese zwei schwarzen Tasten nehmen. Und da siehst du auch: Wenn ich diese Bewegung mache, Rhythmus hat immer mit Bewegung zu tun, dann muss die Bewegung gleichmäßig sein. Wenn die Bewegung schon irgendwie unruhig ist, dann kannst du sicher sein, dass es am Klavier danach auch so klingt. Darum ist es so wichtig, dass ich solche Sachen spüre. Wenn ich das in meinem Körper spüre, überträgt es sich automatisch aufs Piano.

Aber jetzt zurück zur Übung. Wir machen es im Viervierteltakt, du kannst einfach 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4 mitzählen. Und dann kommt schon ein bisschen die Unabhängigkeit der Hände ins Spiel. Du kannst zum Beispiel immer auf die Zählzeit irgendeine Note spielen. Ich spiele jetzt auch nur das Es hier, dann habe ich das: 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4. Das ist zu Beginn ein bisschen seltsam für dich, da musst du dich konzentrieren, aber weil wir nur so wenige Töne drin haben, ist es auch nicht so schwierig. Und wenn es doch zu schwierig ist, machst du das Tempo einfach langsamer.

Also: 1, 2, 3, 4. 1, 2, 3, 4.

Und sobald du die Bewegung mal drin hast, kannst du das Tempo wieder steigern.

Dann hast du das: 1, 2, 3, 4. 1, 2, 3, 4. 1, 2, 3, 4.

Und jetzt kannst du beginnen: Nimm deine 5 Finger so auf die schwarzen Tasten und spiel einfach eine dieser 5 schwarzen Tasten, welche du willst, das spielt eigentlich gar keine Rolle, aber immer zusammen mit der Zählzeit. Das wären dann sogenannte Viertelnoten, wenn wir Richtung Verstand gehen.

Dann habe ich das: 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2.

Und du darfst sogar das Pedal unten behalten, es wird sich immer gut anhören. Also hier die 2 Töne Es, und dazu nur die schwarzen Tasten. Du hast jetzt gemerkt, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Sobald diese Bewegung mal drin ist, bist du in diesem Fluss, und dann ist deine Übepraxis automatisch entspannt. Es geht dann gar nicht mehr anders.

Okay, und wenn das gut geht, zeige ich dir noch eine Übung. Damit kannst du den Rhythmus auf 3 Ebenen spüren. Dann verankert er sich tiefer in dir, in deinem Körper, und du wirst sicherer. Und immer wenn du später etwas spielst, erzielt es ein Vielfaches an Wirkung, weil die Pulsation korrekt und tief in dir verankert ist.

Das heißt hier: Ich nehme meinen linken Fuß, den rechten brauchen wir fürs Pedal, und klopfe die Viertelnoten mit dem Fuß mit. Das hier ist mein Fuß, den siehst du jetzt nicht. Und gleichzeitig kannst du mitzählen: 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4. Jetzt haben wir den Rhythmus auf 3 verschiedenen Ebenen gespürt. Ich habe ihn gesprochen, ich habe halbe Noten gespielt und ich habe unten mit dem linken Fuß dasselbe gemacht wie mit der Stimme, ich habe die Viertel einfach mitgeklopft.

Und wenn du den Rhythmus auf diesen drei Ebenen so spürst und alles korrekt ineinander verzahnt ist, dann entsteht Wirkung am Piano. Erst dann. Vorher spielst du vermutlich auch schon gut, aber es hat nicht dieselbe Qualität, wie wenn du das in dir drin spürst. Also, machen wir es nochmal?

1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4.

Und du kannst wahlweise auch mal mit der Hand mitklopfen, das geht auch.

1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4.

Und wenn du das gut kannst und dich sicher fühlst, gehst du nochmal auf diese Tasten und spielst sie frei, du musst dann auch nicht mehr in diesem Viertel-Ding drinbleiben. Ohne groß in den Verstand zu gehen, probierst du einfach Dinge aus. Das geht zum Beispiel so.

So, mein Fuß, der lief jetzt immer mit. Dann wusste ich immer genau, wo die Pulsation ist. Ich habe da schon ein bisschen begonnen zu spielen, ich habe denselben Ton zum Teil mehrmals gespielt, aber du kannst darauf achten, dass du die 1 beibehältst, also 1, 2, 3, 4. Dann wird es am einfachsten.

Und sobald du merkst, dass du dieses Pattern verlierst oder mit dem Fuß durcheinanderkommst, machst du den magischen Trick. Der geht so: Du hebst deine Hand an und lässt den Fuß einfach weiterlaufen. Das ist ein bisschen unüblich, aber genau das ist der Schnittpunkt, an dem du selber merkst: Ah, jetzt falle ich raus aus dem Rhythmus, jetzt fühle ich mich unsicher. Und um wieder Sicherheit zu gewinnen, hebst du einfach deine rechte Hand, konzentrierst dich auf den Fuß, kannst auch wieder laut mitzählen, und dann beruhigt sich dein System wieder. Dann merkst du: Ah, jetzt fühle ich mich wieder sicher. Und dann gehst du zurück und spielst einfach rum, ohne im Moment irgendetwas groß zu analysieren.

Das waren meine Tipps, um ein bisschen Rhythmusgefühl zu kriegen. Natürlich gibt es tausend andere Tipps. Ich habe auch mal eine Website gemacht, die heißt mastering-rhythm.com, da habe ich, ich weiß nicht, etwa 50 Videos aufgenommen, wie man den Rhythmus im Körper spüren lernt. Das überträgt sich dann automatisch aufs Instrument.

Okay, ich bedanke mich fürs Zuschauen. Falls du noch eine Frage zu diesem Thema hast, dann schreib mir einfach über das Kontaktformular. Ich freue mich auf deine Nachricht.

Bye-bye!

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