My Romance: Ein zeitloser Jazz-Standard
„My Romance“ ist ein bezaubernder Jazz-Standard, der von Richard Rodgers und Lorenz Hart 1943 für das Musical „Boys from Syracuse“ komponiert wurde. Mit seiner melancholischen Melodie und den poetischen Texten hat dieser Song sich über die Jahrzehnte hinweg als eines der schönsten Liebeslieder im Jazz etabliert.
Lade hier die Noten zu diesem Auszug herunter
“My Romance": Transkription des Videos
Herzlich willkommen zu diesem Tutorial. Das ist das Stück My Romance, ein absolut zeitloser Klassiker. Du findest dieses Stück in unzähligen Aufnahmen von verschiedenen Interpreten. Manchmal ist es wirklich als Ballade gespielt, manchmal als Medium-Swing und es hört sich immer gut an. In diesem Tutorial zeige ich dir ein vereinfachtes Arrangement. Wenn du dich interessierst für Jazz Piano und du möchtest ein bisschen reinschnuppern, wie das Ganze funktioniert, dann ist dieses Tutorial das Richtige für dich.
Wenn du tiefer ins Jazz Piano einsteigen möchtest, findest du den passenden Einstieg in unserem Jazzpiano-Kurs.
Mein Name ist Sven Haefliger und ich bin der Gründer von Zapiano®. Ganz zu Beginn jetzt nun möchte ich dich bitten, dass du hier unten unter diesem Link das PDF herunterlädst. Da findest du die ersten acht Takte von diesem Arrangement von My Romance, das ich für dich angefertigt habe. Und ich zeige dir jetzt ganz konkret, wie du dir ein solches Arrangement erarbeiten kannst.
Wo starten wir bei “My Romance"
Also ganz zu Beginn – ich gehe davon aus, du hast es jetzt ausgedruckt, du hast es jetzt vor dir – ganz zu Beginn schaue ich immer mit meinen Schülern die Tonart an. Die ist jetzt hier ziemlich easy. Wir haben nur C-Dur, vielfach auch Stufenakkorde von C-Dur, aber ich habe hier in diesem Arrangement noch ein paar Dinge eingebaut, die noch ein bisschen unüblich sind.
“My Romance" nach Noten spielen, oder doch nicht?
Und jetzt ist es so, dass die meisten eigentlich hingehen, wenn sie da die Noten vor sich haben und das dann so probieren zu spielen, so in dieser Art, und dann „Ah, ja, genau. Dann probieren sie das so zu drücken. Und das würde ich grundsätzlich nicht empfehlen, es sei denn, du bist ein geübter Notenleser und du kannst es auch wirklich sofort spielen, wenn du es siehst .
Jetzt ist aber wichtig, dass du zunächst verstehst, Jazz ist im Grunde genommen keine geschriebene Musik. Also es geht darum, dass du dir zunächst viele Aufnahmen anhörst von verschiedenen Interpreten, sodass du eine Klangvorstellung entwickelst, wie sich das Ganze anhören wird. Denn wenn du eine Klangvorstellung hast, die von einem Sänger oder Saxophonisten ist – das ist das Beste, das sind die besten Melodiespieler –, dann wirst du automatisch dieses Stück dann musikalisch spielen, als wenn du nur die Noten hier spielst. Das war so ein bisschen der Ausblick. Jetzt zeige ich dir aber in diesem kleinen Tutorial einfach ganz genau, okay, so wie ich es notiert habe und dann werden wir es jetzt so miteinander erarbeiten. Also zunächst, bevor ich loslege, zeige ich dir die Stufenakkorde respektive die Akkorde, die hier vorkommen.
Also wenn ich mich im C-Dur befinde und ich habe die Vierklänge und Stufenakkorde, dann ist das nichts anderes als das hier. Ich denke, das ist, wenn du dich für Jazz interessierst, schon klar für dich. Wir haben Cmaj7, Dm7, Em7, FMaj7, G7, Am7, Bm7b5 und dann wieder CMaj7. Bevor du jetzt mit dem Notenlesen beginnst, würde ich dir anraten, dass du zunächst nur die Grundstellungen spielst, diese Akkorde, dass du die Harmonien einfach mal verstehst und dass du dich an diesen Sound gewöhnst, der da darunterliegt bei diesen Harmonien.
Also zunächst habe ich im ersten Takt den CMaj7, dann habe ich ein Dm7, dann habe ich ein Em7 und dann haben wir einen Am7. Ich spiele es bewusst jetzt nur in der Grundstellung. Am Schluss von diesem Tutorial zeige ich dir ein ganz konkretes Arrangement. Es geht darum, dass du nur die Grundstellung im Moment verstehst und den Sound verinnerlichst. Ich zeige dir gleich, wie wir dann die Melodie hinzufügen werden. Dann haben wir im dritten Takt Dm7, dann haben wir G7 und dann haben wir CMaj7. Dann am Schluss habe ich noch einen E7#5.
Der würde sich da so spielen. Ein E7 dominant wäre so. Und wenn ich jetzt hier noch ein #5 hinzufügen würde, dann habe ich hier die Quinte, die wird jetzt übermäßig gespielt. Dann habe ich das. Das ist ein E7#5. Dann habe ich wiederum ein Am7, der könnte ich auch vom Sound her noch eine Oktave tiefer spielen natürlich. Und dann habe ich wiederum diese E7#5. Dann haben wir wiederum einen Am7. Jetzt haben wir ein bisschen einen anderen Sound plötzlich. Das ist jetzt ein Es7 und dieser Es7 ist nichts anderes als eine Dominante, eine Tritonus Subsitution, in der Fachsprache, des Dm7.
Also hier habe ich einfach vom Ziel-Akkord, der Ziel-Akkord ist ein Dm7, und jetzt habe ich vom Ziel-Akkord einfach einen Halbton nach oben gespielt und auf diesen Haltung habe ich jetzt eine Dominante gespielt, also respektive einen „Dominant7-Akord. Und dann habe ich das hier. Dann habe ich einen G7 und dann habe ich wieder einen CMaj7. Und ganz am Schluss, wenn es dann weitergehen würde in den achten Takt, dann habe ich hier nochmals eine Dominante gespielt. Das ist der G♭Dom7. Der löst sich dann schön auf auf FMaj7. Genau. Und jetzt diese Sounds alleine, die sind ja noch nicht irgendwie aussagekräftig in diesem Stück.
Und jetzt geht es darum, dass du deine Klangvorstellung, die du jetzt schon hast, wenn du das Stück gehört hast, abgleichst mit diesen Harmonien. Das geht jetzt folgendermaßen: Das ist die Melodie, die ich habe. Wenn du den Text noch dazu kannst, ist es noch besser. Wenn nicht, dann kannst du auch nur die Melodie summen, singen oder pfeifen. Ich selber bin kein Sänger. Ich bezeichne mich nicht als Sänger, absolut nicht. Aber es geht darum, dass du jetzt die Tonhöhe der Melodie mit diesen Sounds abgleichst. Und dann hast du sofort einen viel emotionaleren Zugang zu diesem Stück, als wenn du es nur nach Noten spielen würdest.
Also dann habe ich das: (Sven singt)
Genau. Jetzt habe ich nur die Melodie gesungen. Ich habe sie so gesungen, wie ich sie im Gehör habe. Ich habe mir jetzt nicht das Notenmaterial angeschaut. Das ist zwar auch so geschrieben natürlich im Notenmaterial, doch ich habe ganz leichte Abweichungen gehabt, weil ich das Stück im Gehör so drin habe, wie ein Sänger das singen würde. Und ich habe nur die Grundstellung gespielt. Und da merkst du jetzt schon, wenn du das schon kannst, dann hast du eigentlich schon sehr viel Musik gemacht und keiner würde sagen: „Hey, das hört sich jetzt falsch an, das musst du mehr üben", oder „Das hört sich nicht gut an", sondern da siehst du im Grunde genommen schon: Harmonik haben wir da, wir haben die Melodie und wir haben die Rhythmik. Die Rhythmik ist einfach die Pulsation, die darunterliegt. Super einfach.
Also wir haben diesen Jazz-Standard jetzt auf das absolut Wesentlichste reduziert und es hört sich schon nachher was an. Im zweiten Schritt, würde ich dir raten: Du schaust dir das Notenblatt an und dann spielst du die Akkorde so, wie ich sie notiert habe, nur in der linken Hand. Das sind dann vereinfachte Akkorde. Ich benutze hier nur Grundton Terz und Grundton Septime. Eigentlich super einfach.
Im Kurs Jazz-Standards erkläre ich ganz genau, wie ich diese Sachen arrangiert habe und wie du das auch selber erarbeiten kannst, wenn du interessiert bist, Jazz-Standards zu interpretieren. Also zunächst habe ich nur Grundton Terz, dann Dm Grundton Terz, Em Grundton Terz, dann habe ich Grundton Septime, dann habe ich Grundton Terz, G7 und CMaj7. Dann die Dominante des Am, ist noch auf dem dritten Schlag. Im vierten Takt hier, der E7, habe ich nur so gespielt. Dann kann ich weitergehen. Zweite Zeile: Am, E♭7, Dm7, G7, CMaj7, G♭7. Der löst sich dann auf auf FMaj7. Das für sich alleine hört sich ja noch nicht nach wahnsinnig viel an. Und jetzt geht es auch wieder darum, dass du das Gehör, deine Klangvorstellung, die du schon entwickelt hast, damit du jetzt verbindest.
Dann hast du das: (Sven singt)
Und so weiter und so fort. Super einfach gespielt. Ich habe jetzt die Akkorde genommen von diesem Arrangement. Wenn du jetzt noch weitergehst, ein Schritt weiter, schaust du jetzt im Notenblatt die Optionstöne an, respektive auch die Farbtöne oder die Akkordtöne zu dieser Harmonie, die wir dann mit der rechten Hand spielen. Also wir haben das Voicing, das CMaj7, das in der Grundstellung so ausschaut, habe ich jetzt in diesem Arrangement so gespielt, dass ich die Quinte weglasse Und dann habe ich das.
Und wenn ich jetzt so durchgehe, dann spiele ich jetzt immer die Noten, bei denen der Notenhals nach unten zeigt. Und ich spiele diese Noten möglichst soft, denn die Melodie, die wir danach spielen, die sollte dann lauter sein. Die sollte dann sofort hörbar sein. Und da habe ich eine supertolle Abgrenzung: „Okay, die Melodie, die muss immer lauter sein, und die Begleitung, die ist dann softer. Dann hört sich das auch gut an."
Also wenn ich jetzt diese Voicings so spiele, dass ich jeweils mit der rechten Hand nochmals einen Ton mitspiele, dann habe ich das. Zweite Zeile: E7, Am7, E♭7, Dm7, G7, CMaj7, G♭7. Da denkst du schon: „Oh, diese Voicings, die hören sich ja ganz nett an."
Ich habe zum Teil auch ein paar richtige Tensions drin gehabt. Als ich den Dm gespielt habe, habe ich hier zum Beispiel Grundton Terz, und habe ich hier noch die None hinzugefügt. Und das hört sich dann schon ziemlich jazzy an, würde ich sagen. Jetzt genau dasselbe wieder. Jetzt gleichst du das ab mit deiner Klangvorstellung, wie du die Melodie im Kopf hast. Dann hast du das…
Da kann man doch auch rhythmisch jenste coole Dinge machen. Habe ich jetzt alles weggelassen. Aber du hast gemerkt, jetzt hört dieses Ganze schon viel besser an. Und jetzt, erst ab diesem Zeitpunkt, würde ich eigentlich die Melodie hinzufügen.
Die meisten gehen so vor, dass sie zuerst immer mit der Melodie beginnen und den ganzen Unterbau – das Ganze, was wirklich entscheidet, ob sich das gut anhört – haben sie dann aber vergessen. Und dann kann es gut sein, dass wenn du dich nur zuerst auf die Melodie fokussierst, dass das Ganze dann irgendwann so wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Und das wollen wir nicht. Also wenn ich jetzt die Melodie hinzufüge, dann krieg ich das. Ich spiele es ganz langsam für dich.
“My Romance" – jetzt mit Melodie
Alles, was du jetzt hier siehst in der linken Hand, wie auch hier der Daumen, habe ich dir vorhin schon gezeigt, das haben wir bereits miteinander erarbeitet, wenn du es geübt hast. Und nur die Melodie kommt jetzt hinzu. Nochmals von vorne. Dann hab ich den Dm.
Und so weiter und so fort. Und du hast gemerkt, wenn ich jetzt in dieser Art etwas spiele, wenn ich einen Jazz Standard so arrangiere, dann habe ich die Melodie immer auf dem fünften Finger oder auf dem vierten Finger.
Das hat zum Teil zur Folge, dass wir ein bisschen ungewohnte Fingersätze haben, aber es hört sich dann wirklich gut an, wenn ich mit dem Daumen oder dem Zeigfinger da die Voicings noch anreichere. Natürlich könnte man da noch viel weiter gehen und das noch viel komplexer gestalten, aber das lassen wir alles weg. Das Ziel ist, dass du das so spielen kannst. Ich spiele es nochmals langsam für dich.
Und so weiter und so fort. So würde das Stück dann weiter funktionieren. Okay. Also ich hoffe, das hat dir gefallen, diese Einführung. Wenn du dir das ganze Tutorial anschauen möchtest, dann findest du dieses Stück, My Romance, wie auch jenste andere Klassiker, so in dieser Art arrangiert, in meinem Kurs auf Zapiano.com Jazz Standards.
Vielen Dank fürs Zuschauen und fürs Zuhören und Mitüben. Und falls du noch eine Frage hast, kannst du sie unten platzieren. Ich freue mich auf alle Kommentare. Bye, bye.
“My Romance": Die Zeitlose Schönheit eines Jazz-Standards
“My Romance" wurde erstmals in dem Musical “Jumbo" vorgestellt, das am Broadway aufgeführt wurde. Richard Rodgers, ein Meister der Melodie, und Lorenz Hart, bekannt für seine tiefgründigen und oft melancholischen Texte, haben gemeinsam ein Lied geschaffen, das sowohl die Vertrautheit einer klassischen Ballade als auch die Komplexität der Jazzharmonik verkörpert. Die Kombination aus Rodgers’ gefühlvollen Melodien und Harts prägnanten Texten schafft eine Atmosphäre von romantischer Nostalgie, die sich nahtlos in verschiedene Interpretationen einfügt.
Musikalische Struktur und Charme
Was “My Romance" besonders macht, ist seine elegante Einfachheit. Die Melodie ist sanft und melodisch, mit einer harmonischen Struktur, die Raum für Improvisation lässt – ein ideales Gerüst für Jazzmusiker. Der Song ist im 4/4-Takt geschrieben und bewegt sich oft in einem sanften Tempo, das dem Hörer erlaubt, sich in den lyrischen Gedanken und Emotionen des Stücks zu verlieren.
Die Akkordprogression ist ebenfalls bemerkenswert. Sie verwendet häufig erweiterte und ungewöhnliche Akkorde, die im Jazz für ihre emotionale Tiefe geschätzt werden. Diese Harmonien schaffen einen reichen Klangteppich, der den Interpreten viel Freiheit gibt, sowohl melodisch als auch rhythmisch zu experimentieren.

Der Text und seine Bedeutung
Der Text von “My Romance" ist ein perfektes Beispiel für Harts Fähigkeit, einfache, aber tiefgründige Emotionen zu vermitteln. Die Zeilen sind voller subtilem Charme und Intimität. Der Song beschreibt die romantische Vorstellung einer perfekten Liebe, die in der Vorstellungskraft des Sängers existiert – ein Thema, das immer wieder in der Musik und Literatur auftaucht. Die lyrischen Bilder sind poetisch und einladend, bieten aber auch Raum für persönliche Interpretation.
Berühmte Interpretationen
Die Schönheit von “My Romance" liegt nicht nur in seiner Komposition, sondern auch in der Vielzahl an Künstlern, die das Stück neu interpretiert haben. Von den legendären Versionen von Chet Baker und Ella Fitzgerald bis hin zu modernen Ausführungen von Künstlern wie Diana Krall und Brad Mehldau – jede Interpretation bringt ihre eigene Note und Perspektive in das Stück ein. Jede Version bietet eine neue Facette der emotionalen Tiefe und musikalischen Schönheit, die “My Romance" zu bieten hat.
Der Einfluss auf die Jazzwelt
“My Romance" ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein Song über Jahrzehnte hinweg relevant bleiben kann. Seine Fähigkeit, sich an verschiedene musikalische Stile und Interpretationen anzupassen, zeigt die Vielseitigkeit und Beständigkeit des Jazz als Kunstform. Der Song hat nicht nur Musiker inspiriert, sondern auch Hörer weltweit berührt, was ihn zu einem wahren Klassiker macht.

Fazit
“My Romance" ist mehr als nur ein Jazz-Standard. Es ist ein Stück Musikgeschichte, das durch seine zeitlose Melodie und tiefgründigen Texte besticht. Es ist ein Beispiel dafür, wie gute Musik immer wieder neu entdeckt und geschätzt werden kann. Egal, ob man ein eingefleischter Jazzliebhaber ist oder gerade erst anfängt: “My Romance" ist ein Lied, das es wert ist, gehört und erlebt zu werden.
Wenn du das nächste Mal in die Welt des Jazz eintauchst, nimm dir einen Moment Zeit. Genieße die Magie von “My Romance". Vielleicht findest du dabei auch deine eigene romantische Vorstellung von musikalischer Perfektion.

Anfänger am Klavier? Dann schau hier rein
Wenn “My romance" noch etwas zu schwierig für dich ist und du lieber mit einfacheren Klavierstücken anfangen möchtest, dann empfehle ich dir meinen Einsteigerkurs Piano Starter 1. Hier lernen wir das ganzheitliche Klavierspiel von Grund auf Schritt für Schritt gemäß der Zapiano®Methode. Parallel zum Piano Starter 1 kannst du im Kurs Piano Starter 1 Songs einfache, aber sehr wohlklingende Klavierstücke spielen lernen.
Probiere es doch einfach mal ganz unverbindlich in einer kostenlosen Probelektion bei dir zu Hause aus. Melde dich gerne, falls Fragen auftauchen bei uns über das Kontaktformular :)