Böhm, Rainer (Dieter Ilg Trio) – “Ode” von L.v. Beethoven

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Wir kommen zu einer weiteren Listening Session. Mein Name ist Sven Haefliger. Ich bin der Gründer von Zapiano®. In dieser Listening Session geht’s um den Pianisten Rainer Böhm. Das ist ein deutscher Pianist, ist ein bisschen jünger als ich und er ist eine sehr bekannte Größe im Jazzbereich in Deutschland, vermutlich auch über die Landesgrenzen hinaus. Das kann ich nicht so genau beurteilen. Und er spielt hier beim super ultra Kontrabassisten Dieter Ilg ein Album da ein, das sehr klassisch anmutet. Es heißt „Mein Beethoven“ und was die daraus machen, das ist einfach sensationell.

„Ode an die Freude“ neu interpretiert

Ihr kennt vermutlich das Stück von BeethovenOde an die Freude“. Das ist eigentlich ein Orchester, aber das hört sich so an! Ich möchte es kurz in Erinnerung rufen. Und wenn es ein klassischer Pianist interpretiert, dann hört sich das so an! Also er spielt dieses Werk Note für Note korrekt, so wie es Beethoven auch komponiert hat. Da ist jede Taste sehr ausgewogen. Das ist also das Original.

Und jetzt wird’s spannend, was Rainer Böhm und Dieter Ilg daraus gemacht haben, finde ich sensationell. Unglaublich. Als ich das zum ersten Mal gehört habe, habe ich gedacht, das kenne ich von irgendwo. Aber sie haben das so zu ihrem eigenen Tune gemacht, dass es nur noch ansatzweise mit dem Original zu tun hat. Sie gehen immer wieder ins Original zurück.

Rainer Böhm „Ode“

Lange Rede, kurzer Sinn. Jetzt hören wir die Aufnahme. Auch der Anschlag von Rainer Böhm. Sensationell. Ganz leise, zum Teil mit der linken Hand. Das ist so wie ein Intro in dem Moment, was sie da so spielen. Fantastisches Interplay. Ein Kontrabassist, der nur wenig spielt. Wunderschön. Jetzt beginnt er mit dem Thema. Man kann es fast nicht unterbrechen. Das ist wunderschön gespielt. Er hat das einfach in die Länge gezogen und hat da Synkopen reingebracht. Und es wirkt überhaupt nicht aufgesetzt. Das ist nicht irgendwie: „Jetzt nehmen wir ein klassisches Stück und machen da jetzt noch krampfhaft Jazz draus.“ Sondern das ist wirklich ganz eigenes, was er da gemacht hat. Das hört sich nämlich alles super organisch und wunderschön.

Dann geht es in den B-Teil und Rainer Böhm spielt das so. Wunderschön. Gibt es gar nichts zu sagen. Jetzt kommt ein sehr sparsames Solo. Die Aufnahmequalität ist auch gigantisch. Kontrabasssolo, ein kurzes. Also sie weiten das auch gar nicht so aus. Da staune ich ein wenig, muss ich ehrlich sagen. Ich könnte da 20 Minuten zuhören und bin fast sicher, die kämen immer wieder auf was Neues. Da höre ich so die Qualität von Spannung, Entspannung, Hinauszögern von Noten. Ich höre Reharmonisationen. Es ist die ganze Palette an Möglichkeiten vorhanden. Ohne irgendwie aufgesetzt zu wirken. Zwei Oktaven höher.

Der Schlagzeuger macht was ganz anderes jetzt. Viele Tensions drin mit der linken Hand. Das passt irgendwie alles zusammen. Jetzt kommt der B-Teil. Da hat er sehr schräge Akkorde verwendet. Und dieses Outro ist auch wunderschön hier. Jetzt bekommt der Schlagzeuger noch ein bisschen Raum. Also diese Schwere im Moll von Beethoven, die wird da auch zum Ausdruck gebracht. Von mir aus hätte es viermal länger dauern können.

Entdecke Rainer Böhm mal selbst

Das war die Aufnahme „Ode“ vom Dieter Ilg Trio. Und der Pianist, das ist Rainer Böhm. Checkt den unbedingt mal aus. Ich glaube, er spielt in verschiedenen Formationen immer wieder. Das, was er hier macht, das gefällt mir einfach am besten. Ich bedanke mich fürs Zuhören und Zuschauen.

Herzlich
Sven

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