Listening Session Lynne Arriale

|

Liebe Klavierfreunde,

herzlich willkommen zu einer weiteren Listening Session. Heute werden wir uns meine persönliche Lieblingspianistin Lynne Arriale mit ihrem Trio anhören 🙂

Vor etwa zwanzig Jahren habe ich Lynne in Zürich zum ersten Mal live gehört. Und es war für mich eine musikalische Sternstunde. Wenn man ihr zuhört, dann klingt heraus, dass sie durch die Schule zahlreicher inspirierender Pianisten ging, z. B. Monty Alexander, Bill Evans, Chick Corea oder auch Herbie Hancock. Und Lynne hat das alles verinnerlicht … und dennoch ihre ganz eigene Stimme gefunden.

Heute möchte ich dir eine Aufnahme aus dem Jahr 2000 zeigen. Sie ist zwar schon etwas älter, aber deswegen so beeindruckend, weil es sich um eine Live-Aufnahme handelt. Der Titel heißt „Estate“ und du findest ihn auf dem Album „Live at the Montreux“.

Das Leadsheet sieht auf den ersten Blick nicht sehr schwierig aus. Es handelt sich um eine klassische A-A-B-A-Form. Aber was Lynne Arriale aus diesem einfachen Material macht, ist einfach Gold!

Hör dir oben im Video ab Minute 1:20 mit mir zusammen den Titel „Estate“ an. Zu Beginn spielt sie das Thema einfach mal durch. Es hat noch kein bestimmtes Tempo. An ihrem Anschlag ist hörbar, dass sie klassisches Klavier gelernt hat. Die linke Hand ist praktisch gar nicht hörbar. Sie ist sehr, sehr leise, aber trotzdem sind die Harmonien wahrnehmbar. Das an sich schon ist eine große Kunst.

Ab Minute 2:32 hören wir den B-Teil. Du kannst hier heraushören, dass Lynne immer wieder Pausen drin hat. Sie spielt das nie genau nach Leadsheet und immer ein klein wenig am Puls vorbei. Es klingt dadurch super natürlich und null gekünstelt.

Ab Minute 3:35 oben im Video sind wir wieder beim A-Teil. Die linke Hand platziert jetzt die Akkorde leicht versetzt. Hier fängt Lynne vermehrt an zu improvisieren. Und jede Note sitzt. Sie macht das meisterhaft.

Ab Minute 6:52 könnt ihr eine Phrase hören, die prägend für Lynnes Stil ist. Sie beginnt oben und geht dann mit kleinen Pausen nach unten. Aber stets ultra präzise und exakt gespielt.

Ab Minute 8:08 kannst du hören, wie Lynne mehrstimmig die Akkorde platziert. Das Trio hat ab dieser Stelle auch weniger „Spieldichte“. Insgesamt wirkt es etwas ruhiger. Auch spielt Lynne das Hauptthema etwas sparsamer.

Ab Minute 9:56 oben im Video ist das Stück eigentlich vorbei. Aber das Trio beginnt dennoch damit, das Ganze nochmals aufzubauen. Es wird dichter und dichter. Hört euch da auch mal Lynnes linke und rechte Hand an. Das geht förmlich ineinander über. Man weiß gar nicht, welche Hand was spielt. Wo die Harmonien enden und wo die Melodie anfängt. Sie formt einfach einen perfekten Klangteppich.

Man muss hier bedenken: Es ist eine Live-Aufnahme. Es gibt ein Publikum und an der Aufnahme wurde im Nachhinein nichts editiert. Live gibt es immer nur einen Versuch. Und wenn jemand einen Titel wie „Estate“ auf Anhieb so spielen kann, dann zeugt das von sehr großer musikalischer Reife.

Ich hoffe, es hat dir gefallen 🙂 Bis zur nächsten Listening Session!

Bewertet uns
0 / 5 Stimmen 4

Your page rank:

Dir könnte auch gefallen

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]