Charlap, Bill – “The one I love belongs to somebody else”

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Liebe Klavierfreunde,

herzlich willkommen zu einer weiteren Listening Session mit Sven Haefliger. Heute hören wir uns Bill Charlap an.

Ich muss zugeben, dass ich bis vor kurzem gar nicht so viel von ihm gehört habe. Er ist bei uns auch gar nicht so sehr bekannt.

Erstmals habe ich ihn auf einer Aufnahme gehört, auf der er Diana Krall und Tony Bennett begleitet hat. Mir ist gleich aufgefallen, dass Bill Charlap eigentlich ganz wenige Noten spielt, aber dafür ultra präzise.

Heute habe ich ein Stück ausgesucht, nämlich „The One I Love Belongs To Somebody Else“. Es hat eine typische AABA-Form. Ab Minute 1:50 kannst du mit mir in das Stück reinhören.

Übrigens hab ich selbst Bill Charlap vor etwa einem Monat in Bern im Marians Jazzroom getroffen, einem supertollen Jazz-Club. Da hatte ich die Möglichkeit, mich mit ihm zu unterhalten und ihn zu fragen, wie er es schafft so unglaublich gut zu swingen. Seine Antwort: Es sei wie bei einem Ballon im Wasser, der immer wieder aufpoppt. Hört euch das im Video oben mal etwa bei Minute 6:20 an und ihr versteht sicher, was er damit gemeint hat. Einzelne Noten sind ganz leise gespielt, andere poppen richtig auf. Das gibt einen unglaublichen Drive und man hat das Gefühl, die Musik würde nach vorn kippen. Obwohl er alles natürlich ultra „in time“ spielt.

Was mir bei „The One I Love Belongs To Somebody Else“ besonders auffällt: Mit der linken Hand spielt er praktisch gar nichts, nur ganz ganz wenige Noten und das Thema, welches er spielt, das verändert er konstant. Ich habe das auch in Bern erleben können, als ich ihn live gesehen habe. Immer, wenn er ein Thema spielt und er spielt es zum zweiten oder dritten Mal, dann spielt er es immer wieder anders, nie gleich. Er macht die Phrasierungen anders, oder die Betonungen anders. Hört da mal genau hin.

Auch beim Improvisieren spielt er so wenig Noten. Vielfach geht er mit der linken Hand in das untere Register rein, was sehr unüblich ist. Und er spielt da auch nur ganz kurze einzelne Akzente rein, fast, als würde er Schlagzeug spielen. Sehr außergewöhnlich 🙂

Checkt Bill Charlap unbedingt mal aus, vor allem wenn man traditionelles Jazz-Piano-Spiel mag.

Herzlich, Sven

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